Versmold (OH). Eine gewollte Verunsicherung der Autofahrer als Weg zu einer effektiven Verkehrsberuhigung in der Innenstadt. Diesen Vorschlag hat Experte Peter Berger bei der Vorstellung des Einzelhandels- und Standortgutachtens im Dezember gemacht und das Beispiel Bohmte genannt. Die Versmolder FDP hat das Modellprojekt im Landkreis Osnabrück jetzt unter die Lupe genommen.
Auf einer Länge von 1,4 Kilometern sind in der 13 000-Einwohner-Gemeinde im östlichen Teil des benachbarten Landkreises Ampeln, Bürgersteige, Zebrastreifen und Verkehrsschilder abgeschafft worden. Die einzige Regel, die noch gilt, ist »rechts vor links«. Ansonsten beruht das Prinzip des »Shared Space«, des geteilten Straßenraums, auf gegenseitiger Rücksichtnahme. Gemeinsam mit Roland Bredow, Vorstandsmitglied des Kaufleute-Vereins IGEV, machte sich die FDP-Fraktion am Mittwoch ein Bild vor Ort in Bohmte.
Sabine de Buhr-Deichsel, erste Gemeinderätin in Bohmte, informierte die Delegation aus Versmold über das Projekt, das mit EU-Mitteln realisiert und im Mai 2008 offiziell für den Verkehr freigegeben wurde. Bei der zum Shared Space umgebauten Ortsdurchfahrt handelt es sich um eine Landstraße, die täglich rund 12 500 Fahrzeuge nutzen. »Es hat seitdem noch keinen Unfall gegeben. Alle in Bohmte sind offenbar sehr zufrieden mit der neuen Lösung«, sagt FDP-Fraktionschefin Ulrike Poetter. Das Prinzip der gegenseitigen Rücksichtnahme scheine zu funktionieren. »Die Leute gehen ganz entspannt mitten über die Straße. Der Verkehr fließt, wenn auch langsamer«, schildert sie ihre Beobachtungen.
Eins zu eins sei das Modell sicher nicht auf die Versmolder Innenstadt übertragbar, sagt Ulrike Poetter. »Ich denke aber, dass wir einzelne Anregungen übernehmen können, um für uns eine gute Lösung zu finden.« Den Straßenraum von Pollern, Steinen und manchem Baum zu befreien, wie es auch Gutachter Peter Berger vorgeschlagen hatte, sei ein solcher Aspekt. Dazu zähle auch, möglichst die Mauer vor der Petri-Kirche zu entfernen und die Grünfläche zu einem zentralen Aufenthaltsplatz zu machen. »In Bohmte hat die Kirche im Zuge des Projekts auch eine noch zentralere Rolle eingenommen und sich geöffnet.«
Um ein rücksichtsvolles Miteinander von Autofahrern auf der einen, Fußgängern und Radfahrern auf der anderen Seite auch in Versmold zu erreichen, sollte man sich zudem genau über die Erfahrungen informieren, die in Bohmte gemacht wurden, sagt Poetter. Sie setzt jetzt darauf, »dass sich auch die anderen Fraktionen dort umschauen und Ideen sammeln. Dann können wir in den nächsten Wochen über einen gemeinsamen Weg für Versmold sprechen.«
Quelle: Westfalenblatt vom 10.01.2009

