Steinhagen. Das war nicht bloß ein TV-Duell. Das war live. Im Steinhagener Gymnasium diskutierten gestern die Direktbewerber für ein Bundestagsmandat im Kreis Gütersloh und beantworteten Fragen der Oberstufenschüler. „Eine spannende Angelegenheit”, sagten diese nachher.
Dass die Bundestagskandidaten in die Schulen gehen, zu ihren potenziell jüngsten Wählern, kommt eher selten vor. Nicht, weil sie nicht wollten, sondern weil sie zu gemeinsamen Podiumsdiskussionen kaum eingeladen werden. Lediglich am Kreisgymnasium Halle werden sie an diesem Freitag noch einmal aufeinandertreffen. Und gestern am Steinhagener Gymnasium. Dort hatten die Sozialwissenschaftskurse der Jahrgangsstufe elf die Gesprächsrunde vorbereitet, die Kandidaten eingeladen und die Diskussion moderiert.
Etwa 80 Schüler aus den Klassen 11 bis 13 nahmen sich die Zeit und hörten eine Doppelstunde lang zu. „Wir haben das Angebot bewusst freiwillig gehalten”, sagt Lehrer Matthias Schwengelbeck, „damit hier die wirklich politisch Interessierten sitzen.”
Jan Düfelsiek und Lisa Uhlemeier hatten die Moderation übernommen. „Wir waren schon ein wenig nervös”, sagte anschließend Lisa Uhlemeier, die gleich neben Klaus Brandner gesessen hatte. Der SPD-Mann aus Verl ist immerhin Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium. Das heißt aber noch lange nicht, dass sich Jan und Lisa nicht trauten, dem erfahrenen Politiker das Wort abzuschneiden. Zum Ende der 90 Minuten Diskussion waren Düfelsiek und Uhlemeier sicherer geworden und gingen konkreter auf die Redebeiträge ihrer Gäste ein, anstatt wie zu Beginn genau darauf zu achten, dass alle fünf die gleichen Redeanteile bekamen.
Brandner, Ralph Brinkhaus (CDU), Marco Mantovanelli (Bündnis 90/Die Grünen), Heiner Kamp (FDP) und Herbert Wessel (Die Linke) machten das Programm bereitwillig mit, machten den ein oder anderen Scherz oder stachelten sich gegenseitig an.
Die Schüler lauschten gespannt und sparten nicht mit Nachfragen. Besonders wenn es um den Ausstieg aus der Atomkraft ging, waren die Schüler interessierter als von den Moderatoren und Politikern erwartet.
Zu lange ritten die Redner indes auf dem Auslandseinsatz in Afghanistan herum. - Bis eine Schülerin nach 80 Minuten einwarf, der Krieg betreffe sie nicht unmittelbar, „aber wir haben hier noch nicht einmal über Bildung und Schulprobleme geredet”.
So sprach sich Brinkhaus für ein stärkeres Leistungsprinzip aus: „Lehrer müssen nicht Beamte sein und sie sollten entsprechend ihrer Leistung bezahlt werden.” Damit stieß er bei den Schülern ebenso auf Zustimmung wie Brandner, der gegen Studiengebühren ist.
Unverständlich für die Zuhörer blieb indes, dass zwar alle fünf Politiker die deutsche Wehrpflicht als ungerecht ansehen, sich aber wohl dennoch nichts ändern werde. Die Frage könnte sich von selbst lösen, so Brandner, wenn man bevorzugt jene Männer einziehen würde, die auch freiwillig bereit dazu seien. Eine reine Berufsarmee halte Brinkhaus indes für „zu gefährlich”.
Die entscheidende Aussage machte Heiner Kamp am Ende an die Schüler gewandt: „Ich finde es toll, dass Sie sich überhaupt mit Politik beschäftigten.” Und er rief sie auf, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Und dabei sei es erst an zweiter Stelle interessant, an welcher Stelle sie ihre Kreuze machen. Hauptsache es sei bei keiner der ganz extremen Parteien.
In dieser Frage können sich viele Schüler auch nach der Diskussionsrunde noch nicht abschließend entscheiden. So interessant die Diskussion auch war - ein bisschen Richtiges habe jeder der Kandidaten gesagt, so Lisa Uhlemeier am Schluss.
Quelle: Haller-Kreisblatt, Artikel vom 16.09.2009

