Spannende Diskussion im Gymnasium mit fünf Bundestagskandidaten auf dem Podium
Steinhagen. Wenn die Bundespolitik zur Diskussion steht, dann muss das nicht in müden TV-Duellen enden. Von wegen Kuschel-Kurs: Fünf Kandidaten stellten sich gestern im Steinhagener Gymnasium dem jungen Wählervolk. Und es war eine zwar gesittete, aber durchaus spannende Debatte, die eigentlich noch mehr Öffentlichkeit als 90 Oberstufenschüler hätte vertragen können.
Das sagte jedenfalls eine Schülerin: »Wenn Haupt- und Realschule oder auch Bürger dabei gewesen wären, hätten sich noch ganz andere Perspektiven ergeben«, meinte Anna Vaske. Doch für reichlich Diskussionsstoff war auch so gesorgt. Anderthalb Stunden reichten kaum aus, um Atomausstieg, Bundeswehreinsätze im In- und Ausland, Familien- und Bildungspolitik zu erörtern.
Lehrer Matthias Schwengelbeck und sein SoWi-Kurs der Jahrgangsstufe 11 hatten sich fünf heimische Bundestagskandidaten aufs Podium geholt: Klaus Brandner (SPD), Ralph Brinkhaus (CDU), Heiner Kamp (FDP), Marco Mantovanelli (Die Grünen) und Herbert Wessel (Die Linke). »Die Schüler können so Kontakt mit den unterschiedlichen politischen Positionen aufnehmen und das nicht abstrakt, sondern über die Kandidaten, die dafür auf dem Wahlzettel stehen«, sagte der Lehrer.
Bei den »Elfern« war die Bundestagswahl am 27. September schon Unterrichtsstoff, die Jahrgangsstufen zwölf und 13 nahmen freiwillig teil: 90 Interessierte waren es - macht eine (Wahl-)Beteiligung von etwa 30 Prozent.
Die Schüler hatten ganz konkrete Fragen und verlangten greifbare Antworten. Beispiel: Energiepolitik. Moderatorin Lisa Uhlemeyer hakte bei Marco Mantovanelli nach: »Welche alternativen Energien gibt es denn?« Der grüne Kandidat beschwor Deutschlands Vorreiterrolle in der Entwicklung alternativer Energien: »Wir dürfen diese Revolution nicht verschlafen.«
Wie passt Ralph Brinkhaus’ Bekenntnis, gegen den Klimawandel vorzugehen zur CDU-Position der Laufzeitverlängerung in der Atompolitik? »Wir haben alle Bauchschmerzen bei Kernenergie. Aber wir gewinnen nichts, wenn die Konzerne im Ausland Atomstrom kaufen. Wir müssen erst einmal die Energieeffizienz erhöhen.« Klaus Brandner ist die Glaubwürdigkeit seiner Partei wichtig: »Wir haben das Paket Atomausstieg geschnürt.« Und die FDP will sich nicht als schwarz-gelbes Schreckgespenst wie auf den Anti-Atom-Wahlplakaten der Grünen darstellen lassen.
Ganz lebensnahe Fragen brannten den Jugendlichen auf den Nägeln. »Was sagen Sie zur Wehrpflicht?« Herbert Wessel hätte gerne etwas über seine eigene Bundeswehrzeit 1971/72 erzählt, beschränkte sich dann aber auf die Feststellung, sie habe damals ihre Berechtigung gehabt. FDP und Grüne fordern die Freiwilligenarmee. Und CDU und SPD sind sich - in großer Koalition - einig: Nein, keine Berufsarmee, das sei wie ein Staat im Staat, aber Freiwillige bei den Wehrpflichtigen vorziehen, das sei eine Möglichkeit.
Ein weiteres Thema, das die Schüler interessiert, ist die Bildung: »G 8«, Studiengebühren . . . Gute Bildung wollen sie alle, das hatten die Politiker gleich zu Anfang betont. Doch letztlich kam die Schulpolitik zu kurz - sie sei Ländersache, so das Podium.
Quelle: Westfalenblatt, Artikel vom 16.09.2009

