Ja, in Verl und Schloß Holte sei er bereits gewesen, erzählt Heiner Kamp. Und in Versmold natürlich, seinem Wohnort. Gerade absolvierte der 46-Jährige seine Antrittsbesuche in den Städten und Gemeinden des Kreises Gütersloh. Auch, um zu hören, wo der Schuh drückt. Gestern standen für den frisch gebackenen FDP-Bundestagsabgeordneten Werther und Halle auf den Programm. Und: Borg-holzhausen. Bürgermeister Klemens Keller hieß den Bundespolitiker hier willkommen und schenkte ihm bei der Gelegenheit nicht nur aromatischen Kaffee - sondern auch »reinen Wein« ein.
Es ist ein Novum, dass der Wahlkreis 132 mit gleich drei Bundestagsabgeordneten in Berlin vertreten ist. Erstmals auch durch einen FDP-Politiker. Einer von drei FDP-Mandatsträgern aus OWL. Und dennoch: „Man hat manchmal den Eindruck”, macht Klemens Keller deutlich, „dass Berlin nicht nur örtlich, sondern auch mental weit weg ist.”
Da stutzt der Diplom-Kaufmann, der lange Jahre als Unternehmensberater gearbeitet hat. Denn nicht nur das Interkommunale Gewerbegebiet verbindet. „Meine Frau ist gebürtige Piumerin”, verrät der Politiker. Obwohl es weder um Tsunamis noch um Westerwellen geht - Piums Bürgermeister macht deutlich, wo den Kommunen der Stachel im Fleisch sitzt: „90 Prozent der kommunalen Ausgaben”, so Keller, „sind gesetzlich festgelegt. Allein Borgholzhausen hat 2010 ein Finanzloch von 2,8 Millionen Euro zu verkraften. Selbst wenn man die freiwilligen Ausgaben der Stadt einstellte, wären das gerade mal 210 000 Euro. Die Gesamtfinanzierung der Kommunen ist chronisch unterfinanziert. Wir leben im Wesentlichen von unseren eigenen Einnahmen.” Die sozialen Ausgaben - sie seien dabei der dickste Brocken im Haushalt.
Kellers Prognose: „In spätestens zwei Jahren sind zwei Drittel der NRW-Kommunen in der Haushaltssicherung. Da müssen wir umsteuern und auch beim Neuen Kommunalen Finanz-manage-
ment (NKF) nachjustieren.”
Gerade mal 107 Tage ist der im Amt, der sich das geduldig anhört. Und kontert: „Die Kameralistik hat sich in manchen Kommunen lange Zeit zu wenig Gedanken über die Folgekosten gemacht. Nicht alle Kommunen haben etwas auf die hohe Kante gelegt.” Kamps Ziel: „Wir wollen nicht mehr ausgeben - wir wollen konsolidieren.” Im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung sitzt er, ist Stellvertreter im Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Seit sechs Jahren sitzt er im Rat der Stadt Versmold.
Wie die Wirtschaftsförderung in der Lebkuchenstadt installiert ist, will Kamp wissen. Und spielt damit auf das Interkommunale Gewerbegebiet an, spricht Klemens Keller ein großes Lob aus: „Ich höre immer wieder: »Da ist einer, der kümmert sich«.”
Das hört Piums Bürgermeister gerne. Und führt aus: „Wir mussten schon Betriebe bremsen, die Interesse hatten.” 1000 Arbeitsplätze seien entstanden. „Da unten ist noch mehr möglich, als man heute sieht.”
»Da unten«, im Süden Piums, lauert aber auch das Problem DSL, um das sich Heiner Kamp zu kümmern verspricht. Dann geht?s für ihn weiter. Im Privatwagen. Zu den Bürgermeistern der anderen Kommunen, zu Marion Weike und Anne Roden- brock-Wesselmann, um den Kreis und seine Anliegen in Berlin besser zu vertreten.
von alexander heim, 19.02.2010, Haller Kreisblatt
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