FDP-Politiker kritisiert »geistige Achse der Gemütlichkeit«
Halle (sta). MdB Heiner Kamp will den Kontakt zwischen der örtlichen Wirtschaft und den berufsbildenden Schulen im Kreis ausbauen. Das ist eines der Ergebnisse bei der Tour des FDP-Abgeordneten in der parlamentarischen Sommerpause durch Bildungseinrichtungen im Kreis Gütersloh.
»Die Schüler müssen die Praxis kennen lernen, denn sie ist das Salz in der Suppe, durch das sie merken, warum die Theorie wichtig ist«, sagte Heiner Kamp bei einem Gespräch mit dem Leiter des Berufskollegs Halle, Hans-Jürgen Kuhlmann.
Weil er Politik »nicht am grünen Tisch in Berlin« machen möchte, nutzt der Berichterstatter für berufliche Bildung im Bundestag die sitzungsfreie Zeit, um sich im Kreis über Stärken und Schwächen der Bildungseinrichtungen zu informieren.
Dabei nimmt er nicht nur Ideen mit nach Berlin, sondern will auch direkt vor Ort Projekte zwischen Wirtschaft und Schulen unter seiner Patenschaft anregen. Wie bei Hochschulmessen müssten sich die heimischen Betriebe an den Berufskollegs stärker um die »High Potentials« bewerben.
»Angesichts des demographischen Wandels und des ansteigenden Facharbeitermangels haben immer mehr Betriebe Probleme, qualifizierten Nachwuchs zu bekommen, weil vielen die Reife und Fähigkeiten fehlen«, erläutert Kamp.
Der Bildungsausschuss wolle früh bei den jungen Schülern ansetzen, um diese Probleme in den Griff zu bekommen. Großen Wert lege er dabei auf die Unterstützung von Schulfördervereinen, die mit Lern- und Sprachprojekten den Schülern Kompetenzen vermitteln sollen, die später die häufigsten Probleme seien. Darüber hinaus sollen in der Hauptschule 500 zusätzliche so genannte Bildungslotsen ab der 7. Klasse eingesetzt werden. »Sie analysieren, welche Neigungen und Fähigkeiten die Schüler haben und helfen bei der Berufsorientierung.«
Ziel müsse es sein, die Motivation der Schüler zu erhöhen und ihre Eigenverantwortlichkeit zu stärken, um auch die Teilhabe von Problemschülern an der Gesellschaft als Arbeitnehmer zu gewährleisten, sagte Kamp. »Viele sind sich nicht darüber bewusst, dass sie Verantwortung übernehmen müssen. Es gibt in unserem Land eine geistige Achse der Gemütlichkeit, in der die Menschen glauben, nicht ich für mich, sondern der Staat muss alles für mich regeln«, kritisierte er.
Westfalen-Blatt - Artikel vom 21.07.2010
Der Originalartikel können Sie hier aufrufen.

